Linux als Arbeitsplatzbetriebssystem


Jahrelang galt Linux als Hacker - Betriebssystem für Freaks, danach als ernstzunehmende Serverplattform.
Spätestens seit 2001 muß man hinzufügen, es ist auch ein gutes Arbeitsplatzsystem!

Diese Behauptung kann man durch die Fortschritte in folgenden Bereichen vertreten:

Aber schauen wir uns zunächst die typischsten Einsatzzwecke für Arbeitsplatzrechner an:

1. Office-Betrieb

Für den Firmennutzer und auch für das private Büro gibt es mittlerweile mindestens drei ernstzunehmende OpenSource-Büro-Pakete:

Star Office von SUN
Dieses Paket glänzt durch weitestgehende MS-Office-Kompatibilität, was Dateifilter und auch Bedienung anbelangt. als OpenSource-Version auch unter OpenOffice zu finden
KOffice
enthält eine große Anzahl mittlerweile ausgereifter KDE-Programme
Gnome-Office
Das GNOME-Gegenstück von KOffice steht diesem in nichts nach, insbesondere sind "abiword" und "gnumeric" hervorzuheben: MS Word und MS Excel-Umsteiger werden sich (fast) wie zuhause fühlen...


Windows-Programme unter Linux?

Es wird allerdings auch vorkommen, daß man auf das eine oder andere Windows-Programm nicht so ohne weiteres verzichten kann. Dies macht WINE (WINdowsEmulator) möglich, allerdings befindet sich WINE noch im unfertigen Entwicklungszustand. Die Homepage findet ihr hier , vorkompilierte WINE-Packungen in eurer Distribution oder bei Codeweavers

Zwei weitere kommerzielle Ansätze für dieses Thema sind: VMWare, hier wird tatsächlich ein kompletter PC in Software emuliert oder Win4Linux, das das Ausführen einzelner Windows-Programme ermöglicht.

2. Laptops

Diese Thematik spielt sich nun doch noch hauptsächlich im Thema Treiberunterstützung ab. Die wichtigsten Stichpunkte sind:
Die zentrale Anlaufstelle ist "Linux On Laptops ".
Hier finden sich kurze Übersichten und in der Regel auch detaillierte Berichte zu den einzelnen Modellen.

Prinzipiell ist zu sagen, daß Problempunkte vor allem die neueste Version des Powermanagements (ACPI) und Unterstützung für die integrierten analogen Modemchipsätze sind. Das ältere APM wird zwar von Linux unterstützt, aber nicht von allen modernen Laptops, da diese oft nur noch auf ACPI setzen.

Hardwareanforderungen

Insgesamt steht im Raum, daß Linux deutlich geringere Hardwareanforderungen hat als ein modernes Windows.
Das stimmt insofern, als daß es "das Linux" gar nicht gibt, ein "Mini-Linux" wurde von IBM sogar auf einem armbanduhren-großen Rechner zum Laufen gebracht. Ebenso stellt Linux die meisten Funktionen bereits ohne grafische Oberfläche zur Verfügung, und GUI's treiben die Hardwareanforderungen hoch.

Um uns dem Thema zu nähern, müssen wir die größten "Hardwareverbraucher" etwas näher betrachten:


Um das ganze einfach zu halten, folgendes Bewertungsschema:

neuestes Linux:  Kernel 2.4.x, XFree86 Version 4.x, KDE V2/3, Gnome V 1.4/2:    CPU >= 500 MHz,
etwas älter:         Kernel 2.2.x, XFree86 Version 3.x, KDE V1.x, Gnome V 1.2:      CPU >= 200 MHz,
    mit X nicht unter 64 MB RAM, besser 128 MB
Server / Router ohne X11:
    hier geht es tatsächlich vom 486er los, PI 100 MHz sind schon richtig leistungsfähig, 16-32 MB RAM ausreichend
Einsatz umfangreicher X-Programme wie Star Office 5.2 / 6, GIMP und ähnliches: RAM >= 128 MB

Insgesamt liegen die Anforderungen auch beim neuesten Linux deutlich unter denen von Windows2000, wenn nicht alle Gimicks genutzt werden

3. Multimedia

Das anspruchsvollste Einsatzgebiet, denn hier ist eine Menge Technik zu unterstützten.

3.1 Audio

die wichtigsten Funktionen von Soundverarbeitung sind sicherlich:
Player, Sound-Mixer, MP3-Encoder, CD-Brennprogramme.
Die Zahl der Audio-Player unter Linux ist sicher schon Legion. Ich beschränke mich auf die wichtigsten, bei den Distributionen enthaltenen:
FreeAMP, XMMS.

Die nächste Funktion, die Wandlung diverser Audio-Formate ins  MP3-Format enthält da allerdings eine kleine Hürde:
nachdem der MP3-Algorithmus vom Frauenhofer-Institut entwickelt wurde, existieren hier Patente. Deshalb können MP3-Encoder nicht mit den Distributionen mitgeliefert werden. Es existieren aber auch hier eine Reihe freier Implementationen, die leicht im Internet erhältlich sind: LAME, Blade Encoder, ...
Aus patentrechtlichen Gründen sind hier die Quelltexte downzuladen und zu kompilieren. Dies läuft nahezu automatisch ab.

CD-Brenner-Unterstützung:
Supportet werden alle SCSI- und ATAPI-Brenner mit dem standardisierten mmc3-Befehlssatz. Das dürften alle Brenner ab 4X aufwärts sein.
Es gibt dabei wieder einen kleinen Haken: Linux emuliert bei ATAPI-Brennern intern einen SCSI-Brenner und deshalb muß das SCSI-Emulation-Kernel-Modul geladen werden.
CD-Brenn-Programme: KreateCD, KonCD (KDE), xcdroast, sind allesamt grafische Oberflächen, die auf "cdrecord" aufsetzen
Oder sie verwenden gleich die Kommandozeile:
"cdrecord -v speed=4 dev=0,x,0 -data=<image>" ist alles, was zu tun ist. Dafür gibt es ein deutsches HOWTO zum CD-Brennen.

Es soll ja auch Leute geben, die ihre CD's in MP3-Files für den Computerarbeitsplatz oder den MP3-Player verwandeln. Denen wird höchst komfortabel mit "Krabber" geholfen....

3.2 Video

Da fällt uns doch das heiß umstrittene Stichwort "DVD-Video" ein. Genau, natürlich kann man DVD-Videos auch unter Linux betrachten.
Mittlerweile gibt es dazu sogar einen kommerziellen (und damit von den DVD-Granden authentifizierten) Player.
Ein zentraler Anlaufpunkt für Infos zu diesem Thema ist http://www.linuxvideo.org
Die Open Source Player verwenden für die Entschlüsselung des Content-Scrambling-Systems entweder den DeCSS-Code oder die LibCSS
Unverschlüsselte DVD's gehen natürlich selbstredend.
Den DeCSS- und libCSS-Code muß man sich via Suchmaschine wieder selbst aus dem Internet besorgen und kompilieren. Die Anleitungen hierzu sind aber doch mittlerweile sehr einfach.

Als Treibervorraussetzung gilt für Videodarstellung generell: XFree86-Version 4.x sollte es schon sein, wegen den XVideo-Extension, die die CPU-Belastung enorm senken und damit das Video-sehen auf langsameren Maschinen erst ermöglichen. Diese Extensions nutzen die Video-Hardwarebeschleunigung moderner Grafikkarten (Hardware-Skalierung und YUV-RGB-Farbraumkonvertierung).

DVD-Video ist aber nur der vorläufige Höhepunkt der Videotechnik. Genau genommen steht DVD-Video für den MPEG-2 Standard. Es gibt aber natürlich eine Reihe weiterer Formate. Die wichtigsten wären

MPEG-1 und vor allem MPEG-4. MPEG-4 existiert in einer nicht ganz legalen Form, einem gehackten Microsoft-Codec, dem DivX;->-Codec. Sie werden es nicht glauben, dank der WINE-Bibliotheken laufen diese Windows-DLL-'s auch auf Linux-x86-Maschinen höchst effizient zum Beispiel im "mplayer".
Die eigentliche OpenSource-Entwicklung des MPEG-4-Formates ist unter www.opendivx.com oder www.projectmayo.org zu finden, der DivX-Codec.
Dieser wird bereits in Form einer Shared-Library ausgeliefert und wird in avifile, drip und dvd::rip/transcode verwendet.

Diese Video-Formate sind oft in Streaming-Formate wie RealVideo oder das Windows-AVI-Format verpackt. Auch diese können unter Linux abgespielt und erzeugt werden.

Also zur Praxis:

drei wichtige und gute OpenSource DVD-Player:

OGLE
brilliert vor allem durch die Unterstützung von DVD-Menüs
MPLAYER
spielt nahezu jedes Format, nicht nur DVD
XINE
ist der Klassiker

DVD-kopieren / in Div/X-Format wandeln (selbstverständlich unter Wahrung der Urheberrechte):

transcode + dvd::rip    wie sooft unter Linux/Unix unterteilt in Anwendung und Oberfläche. Während transcode eine exzellente, vielseitige De-/Encoder-Anwendung darstellt, die auf der Kommandozeile bedient wird, ist dvd::rip ein exzellentes perl/GTK-GUI dafür, und zusammen sind sie unschlagbar...

MPlayer enthält eine Encoder-Anwendung Namens "mencoder" (Kommandozeile).
avifile

drip hat schließlich den Vorteil, vor dem Encodieren eine Kopie von der DVD zu erzeugen, die durch die Bibliothek libdvdcss "vorbehandelt" ist.

Alle aufgeführten Programme benötigen in der Regel eine Reihe von Bibliotheken und Codecs. Meist ist das beim jeweiligen Programm aufgeführt, und eine gute Sammlung vorkompilierter Pakete findet man unter:

http://packman.links2linux.de     

3.3 TV

Auch die Verwendung von Fernseh-Empfängern im PC ist möglich, das entsprechende Software-Paket heißt "Video4Linux" oder V4L. Hierbei werden die gängigsten Decoder-Chips (bttv-Serie) unterstützt.

4. Spieleplattform

Da sieht es doch mittlerweile gar nicht mehr übel aus. Zunächst einmal ist natürlich der sehr große Bereich an Arkade-, Strategie-, Brettspielen, Jump&Run-Fetzer zu nennen, die ohne große 3D-Funktionen auskommen. Die Zahl solcher Spiele geht sicherlich in die hunderte, und sie sind alle Open Source, ihre Distribution enthält sicherlich bereits eine stattliche Anzahl davon.

Das Stichwort Computerspiel bezieht sich heute aber überwiegend auf die 3D-Spiele. Eine Vorraussetzung dafür ist eine Grafikkarte mit 3D-Hardwarebeschleunigungsfunktionen. Für die Unterstützung von 3D-Hardwarebeschleunigung existiert unter Linux der etablierte OpenGL-Standard von SGI.
Aber auch hier sind wieder ein paar kleinere Hürden zu nehmen. Zunächst einmal müssen sie möglichst eine XFree86-Version größer 4.x installiert haben. Hierfür sind nämlich die meisten OpenGL-Treiber erhältlich . Diese Treiber müssen dann noch aktiviert werden. Bei SuSE geht das entweder mit SAX2 oder von Hand: Paket "xf86_glx" installieren, "switch2xf86_glx" aufrufen. Dann gibt es einige Grafikkartenhersteller, die den freien Entwicklern nicht die notwendige Dokumentation für die OpenSource-Entwicklung von 3D-Treibern zur Verfügung stellen. Der bekannteste Hersteller der so verfährt, ist NVidia. Dafür entwickelt NVidia dankenswerterweise selbst Linux-Treiber. Diese unterliegen dem NVidia-Copyright und können deshalb leider nicht mit den Distributionen mitgeliefert werden.

NVidia

Also müssen NVidia - Nutzer selbst unter http://www.nvidia.de oder *.com tätig werden. Man steuere "Download Drivers" - "Linux" an. Es kann für alle Grafikkarten mit ein und demselben Treiber gearbeitet werden. Er besteht aus mehreren OpenGL (GLX-) Bibliotheken und einem Kernel-Modul.
Verwenden sie am besten die generischen Pakete, die sogenannten Source-Pakete, sie sind auch noch bei Kernel-Updates integrierbar. Selbstverständlich können sie aber auch ein speziell für ihre Linux-Distribution angepaßte Packung verwenden, die Installation ist dann noch einfacher.

Wichtig ist vor allem eine korrekte Integration in ihr Linux-System:

kontrollieren sie mit "xdpyinfo", ob GLX-Support unter "Extensions" vorhanden ist, sonst fehlt vermutlich oben genannte Verlinkung, mit "lsmod" sehen sie, ob das Kernel-Modul geladen ist.

Nun gibt es hier lange nicht die Auswahl wie unter Windows, aber ich nenne mal die bekanntesten:
tuxracer, parsec, quake, FlightGear, SuSE-Version 7.3 ist voll damit!
Und die Entwicklung wird hier sicher weitergehen.
 

5. Grafikworkstation

Hier fällt dem Linuxer doch sofort "GIMP" ein, das GNU Image Manipulation Program, eine Entwicklung, die doch fast mit dem legendären Photoshop mithalten kann, also ein Pixel-Bildverarbeitungsprogramm. Dazu gehört natürlich auch die Unterstützung der Scanner-Geräte. Diese wird durch die SANE (Scanner Access Now Easy) - Programme geboten und ist selbstverständlich in den Distributionen enthalten. Ärger können allerdings billige Parallelport-Scanner machen (eventuell nicht unterstützt...), siehe beim SANE-Projekt
Es geht aber selbstverständlich weiter: Da gibt es den Raytracer "Povray", einige Morph-Programme und mittlerweile auch schon Vektorgrafikprogramme:
?????
Kivio, ein Visio-Clone,  Corel Version 10 in einer leider etwas lahmen Windows-Portierung, deren Weiterentwicklung nicht gesichert ist.

Übrigens, auch bei der Grafikdruckerei hat sich einiges getan. PostScript-Drucker-Besitzer waren und sind immer schon fein raus, da PostScript der Druck-Standard unter Linux/ Unix und X/Windows ist. Für die anderen gibt es den OpenSource-stp-Treiber aus dem GIMP-Projekt und das kommerzielle turboprint mit Farbmanagement. Die stp-Druckertreiber sind mittlerweile in das CUPS-Drucksystem integriert und damit sehr einfach zu konfigurieren.

6. War da nicht noch was? (Internet)


Hmmm, hab ich nicht was vergessen????. Oh verflixt, das Internet, aber es sei mir verziehen, denn das Internet ist der Ursprung von Linux, und wenn es irgendwohin gute Verbindung hat, dann zu ihm. Legion ist hier wieder die Anzahl der Konfigurationsprogramme für den Zugang und für seine komfortable Bedienung.
Ebenso gibt es eine Unzahl von Clients für alle Internet-Dienste: www, ftp, nntp, mail (smtp, pop und imap), irc, gnutella und wie sie alle heißen mögen.

Der Netzwerkzugang zum Internet wird per Analogen Modem (SLIP, PPP), ISDN-Karte(PPP) und *DSL (PPP over Ethernet- Protokoll) unterstützt. Für das in Deutschland weit verbreitete T-DSL sind komfortable Konfigurationsprogramme in der SuSE-Distribution integriert.

Stellvertretend für die vielen Internet-Anwendungen seien hier die wichtigsten Browser genannt:

Netscape 4.7x
 (mit Messenger, Composer), in die Jahre gekommen kann er leider nicht mehr alles darstellen, dennoch....
Netscape 6.x oder Mozilla 0.9x
die Nachfolger vom klassischen Netscape mit einer hervorragenden Render-Engine (Gecko)
Konqueror
der integrierte Dateimanager des KDE-Projekts beherrscht auch HTML, Javascript, Netscape-Plugins, ....
Nautilus
das GNOME-Gegenstück (ab Gnome 1.4) zum Konqueror kann's auch....
Opera
ist auch unter Linux in einer kostenlosen Version (Reklame...) erhältlich, vor allem klein und schnell! (nicht Open Source)
Galeon
geht einen ähnlichen Weg wie Opera, es besteht aus der Rendering-Engine von mozilla und kommt ansonsten eher minimalistisch daher.

  

7. Gründe außerhalb der Technik

Es gibt ja die Argumentation von dem Standard, den Microsoft mit Windows zum Heil aller Anweder geschaffen hat.
Ab und zu wird in diesem Zusammenhang auch erwähnt, daß diese Standardisierung auch Geld spart.

Apropos Geld: Linux kostet keinerlei Lizenzgebühren, eine brauchbare Distribution mit allen Anwendungsprogrammen ist in der Regel für unter 50 EURO zu haben oder aus dem Internet herunterzuladen oder von Freunden legal zu kopieren.

Wie schaut es damit nun aus?
 

7.1 Standards (Windows?)

Microsoft hat über Jahre hinweg zwei (oder sogar drei) grundsätzlich verschiedene Windows-Versionen gepflegt:
Am Anfang war das 16-bit Windows der Versionen 2.11, 3.0, 3.1, WfW 3.11. Die Beschränkungen und Probleme dieser Versionen sind Legion
Danach kam das 32-bit Windows NT 3.1, später folgte Windows 95. Alle drei und deren jeweilige Folgeversionen erlaubten es in vielen Fällen nicht, Programme weiterzuverwenden.
Bei WindowsNT scheiterten etliche 16-bit-Windows-Programme wegen direkter Hardwarezugriffe
Von WindowsNT 3.51 zu NT 4.0 wurde ein erstes Mal die Treiberarchitektur geändert: die Videotreiber wanderten in den Kern des Betriebssystems in den privilegierten Modus. Die Suche nach neuen Treiber war ein Muß, dabei wurde längst nicht alle Hardware unter Windows NT unterstützt.
Ebenso beim Wechsel von Windows 3.x zu Windows 95. Nur in günstigen Fällen war die Weiterverwendung von 16-bit Treibern möglich.
Des Weiteren wurde mit WindowsNT 4.0 und Windows 95 eine neue (zugegebenermaßen bessere) Bedienoberfläche eingeführt, die aber auch nicht frei von Inkonsistenzen war. Man denke nur an das Thema "Dateierweiterungen".
Wollte man die neuen Möglichkeiten (lange Dateinamen, besseres Multitasking, mehr als 16 MB Arbeitsspeicher) nutzen, war zudem ein Programmupdate auf 32Bit-Versionen unumgänglich.
Das Spiel wiederholte sich teilweise beim Wechsel zu  Windows ME und auf der Seite der professionellen Windows-Varianten beim Wechsel zu Windows 2000. ein neues Treibermodell (WDM) wurde eingeführt, um für Windows ME und Windows 2000 eine gemeinsame Treiberbasis zu schaffen, das hat nur leider kaum funktioniert. Wieder waren Treibersuche und -updates angesagt. Wieder liefen viele ältere Programme nicht mehr oder nur eingeschränkt.
Windows2000 führte Menü's ein, die sich je nach Nutzung verändern.
Nun beglückt uns MS mit Windows XP, einer einheitlichen Variante mit wieder einer komplett neuen Benutzeroberfläche und der erzwungenenen Lizenzaktivierung.

Die ständigen Änderungen haben noch einen anderen Effekt:
- wird in der neuesten Windows-Variante die vorhandene Hardware nicht mehr mit Treibern unterstützt, muß man vielleicht bei der alten Version bleiben oder installiert ein aufwendiges Dual-Boot-System
- eine neue Windows-Version hat auch noch immer die Hardwareanforderungen hochgeschraubt, so daß auch hier bei identischer Funktionalität Hardware-Updates erforderlich werden.

Und nun die Sache mit der Aktivierung:
- MS besitzt mit Windows einen Marktanteil von ca. 90%, d. h. durch Menge lassen sich die Umsätze kaum noch steigern. Also wird dafür gesorgt, daß eine rechtmäßig erworbene Lizenz nur noch unter Schwierigkeiten mit neuer Hardware weiterverwendet werden kann.

Ebenso wird  die Update-Frequenz gesteigert, die Stückpreise für die Lizenzen steigen. Der nächste Schritt könnte der bewußte Einbau von Inkompatibilitäten darstellen, auch dies wurde bereits so praktiziert: Die Word-Versionen 2, 95 und 97 kamen jeweils mit inkompatiblen Dateiformaten daher, Begründung: technischer Fortschritt. Für MS sehr angenehmer Nebeneffekt: Quasi die komplette Geschäftswelt war über kurz oder lang gezwungen umzusteigen und neu zu kaufen.
Dito natürlich die Formate von Excel, PowerPoint und Access.
Die Funktionalitäten der neuen Programme für den Durchschnittsanwender wurden jedoch nicht so stark ausgebaut. So fehlt bis heute Spracheingabe, die seit Jahren gefordert wird.

Dafür ist aber in XP ein Windows Media-Player integriert, der nach den MS-Lizenzbedingungen jederzeit über das Internet "upgedated" werden darf, ohne daß sie dies verhindern dürfen / können. Hintergrund: Digital Rights Management.
Wohl weniger wegen DRM führt der Media-Player ein Protokoll aller Medien, die er abgespielt hat und schickt dieses hin und wieder an eine MS-Website. Was das nun dem Nutzer bringen mag? 

7.2 Linux / Unix


Linux baut auf jahrzehnte alte Unix- und Internet-Standards auf, als Dateiformate wird neuerdings schon oft das ebenfalls standardisierte, offengelegte XML verwendet. Wobei inkompatible Dateiformate bei OpenSource vom Prinzip her schon gar nicht möglich sind, es bleibt manchmal lediglich ein Konvertierungs-Problem.
Vorhandene Hardware-Treiber werden in der Regel über sehr lange Zeit weiter gewartet und in die neuesten Kernel integriert. Ebenso funktioniert auch das neueste Linux-System weitgehendst mit alten Kernel-Versionen (2.0 oder 2.2).
Es ist auch heute möglich, ein komfortables Linux-System mit X11-GUI auf einem 486er System mit akzeptabler Geschwindigkeit zum Laufen zu bringen (natürlich mit etwas älteren Programmversionen), was gerade in den Ländern der 2. und 3. Welt überhaupt erst breitere Computernutzung ermöglicht. Meist kann man ältere und neue Versionen mischen, solange die Basisbibliotheken (GNULibC) aktuell sind.
Ebenso können auf neuen Systemen ältere oder optimierte Linux-Betriebssystem-Kernels verwendet werden.

Die eigentliche Frage, die hinter diesen Entwicklungen steht ist:
Wie lange wollen wir uns von einem Monopolunternehmen noch vorschreiben lassen, wie wir unsere Computer verwenden, wann wir updaten oder neu kaufen müssen. Wie viel Zeit wollen wir uns noch durch für uns fast sinnlose Updates stehlen lassen, durch Umgewöhnung an neue Programmversionen und Bedienoberflächen, die wir vielleicht gar nicht haben wollen? 


Eine Schlußbemerkung halte ich noch für wichtig:
bis jetzt habe ich vor allem über grafische, GUI- Programme gesprochen. Auch wenn dies manchen antiquiert erscheinen mag, jeder Linux-Nutzer möge auch die Kommandozeile ausprobieren, sie ist eben nicht vergleichbar mit dem Windows/DOS-Pendant. Viel reichhaltiger sind die Funktionen, viel effizienter ist die Nutzung. Auch dafür gibt es gute, deutschsprachige Anleitungen, und man wird schon nach kurzer Zeit (und wenig Lernaufwand) viele Aufgaben sehr schnell damit erledigen können. 


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