Startseite
Meine Fahrräder

Challenge Hurricane Tour Bj 2003

Hurricane
Nach einigen Jahren Liegeradfahren mit meiner SMGT kam der Wunsch nach einem "sportlicheren" Fahrzeug auf. Zusätzlich suchte ich für meinen grossen Sohn nach einem Liegerrad. Über Internet wurde ich fündig, eine Challenge Hurricane, ein Fahrzeug mit dem ich schon länger liebäugelte suchte einen neuen Besitzer...
Primär fand ich die Hurricane sehr ästhetisch. Als sie ankam, war erst mal einiger Umstellungsaufwand gefragt. An die tiefe Sitzposition gewöhnt man sich eigentlich sehr schnell, die geringe Augenhöhe ist da schon kritischer. Trotzdem ist man aber noch mit den PKW-Lenkern fast auf Augenhöhe.
 Challenge-spezifisch ist der schmale (225 mm) Blechsitz, wobei dies nicht abwertend gemeint ist, aber die meisten Hersteller verwenden GFK oder CFK-Konstruktionen, die breiter bauen. Passt der Sitz auf die eigene Rückenlänge ist er jedoch sehr bequem und ergonomisch und robuster als die Kunststoffteile anderer Hersteller. Der Tiller- oder Deichsellenker sorgte für den größten Umstellungsaufwand gegenüber der SMGT: diesen dreht man nicht, man "schwenkt" ihn und das nicht zu knapp. Hat man das jedoch mal intus (1 Woche), geht das genauso gut, selbst ständiges Wechseln von einen auf den anderen Lenkertyp geht ohne Stress vonstatten. Das Fahrverhalten dann ist die reine Wonne. Der tiefe Schwerpunkt läßt einem gewissermaßen fast zwischen den Laufrädern sitzen und beim Kurvenfetzen fühlt man sich sehr sicher. Die mögliche Sturzhöhe ist mit ca. nem halben Meter auch nicht mehr die Rede Wert.

Technik

Während die SMGT von Anfang an kaum Anlaß zur Kritik bot, gab es an der Hurri doch einiges zu verbessern:
Das hätte Challenge für ein paar Cents nun wirklich gleich besser machen können, aber egal, nach diesen kleinen Operationen war die Kiste ausgezeichnet.
Natürlich fehlt dem Vollfederungsverwöhntem die Vorderradfederung, aber wenn man nicht gerade dauernd Schlaglochstrecken fahren muß, fehlt einem das bald nicht mehr und man freut sich über 1 kg weniger Übergewicht.
Serienmäßig sind Magura HS22-Felgenbremsen installiert. Die vereinen nun leider die Nachteile von Felgenbremsen (Felgenabrieb, Aufheizung der Felge und Mantel) und die von Scheibenbremsen (Hydraulik, die für Reparatur und Wartung Spezialwerkzeug erfordert) auf sich. Abgesehen davon sind es hervorragende Bremsen, bestens dosierbar, sehr gute Bremswirkung und glänzen durch Unauffälligkeit.
Der Seitenständer ist genial, fest und Umfallsicher.
Das hintere Federbein hält einem die Fahrbahnunebenheiten sehr wirkungsvoll vom Leib, nicht zu hart und nicht zu weich.
Die Übersetzungen mit vorne 39-60 und hinten 12-28 sind ausreichend. Sowohl im Hochgeschwindigkeitsbereich (wegen des 20" Hinterrades) als auch am Berg würde man sich ab und zu noch einen Gang wünschen, aber 12% Steigung mit Gepäck sind leicht drin, dito mittreten mit 100 U/min und 45 km/h, das reicht.
Die serienmäßigen Vredestein 20*1,3" Hochdruck-Slicks entfernt man am besten gleich. Nach einigen hundert Kilometern und 2 Reifenpannen hatte ich die Nase voll und tat 2 Schwalbe Marathon 20*1,75" Mäntel drauf, seitdem absolut robustes Fahrverhalten und keine Pannen mehr. Wiegen tut die ganze Fuhre nun mit Vollausstattung 16 kg, das ist OK.
An Gepäckträger hat man nur hinten einen Alubügel, der nicht mehr als 12 kg tragen soll. Da stutzt der Leser nun, was soll denn das, das reicht ja nie? Stimmt, aber bei Tief- bzw. Semitiefliegern hängt man einfach zwei spezielle Liegeradtaschen seitlich über Sitz und Gepäckbügel, was letztlich nur Vorteile hat: der Schwerpunkt des Gepäcks ist fast direkt am Schwerpunkt des Fahrers (unter diesem und damit sehr tief), man merkt es kaum, die langgestreckten Liegeradtaschen haben sehr wenig Luftwiderstand und sind sehr leicht (800 g je Paar mit 2*28l). Damit die Dinger nicht an der Kette reiben, noch mal hinten am Zugtrumm ein Kettenschutzrohr ergänzt und fertig ist das Reiserad! 30 kg kriegt man da allemal verstaut. zusätzlicher Kettenschutz



Prinzipielle Beurteilung der Bauform Semitieflieger

Ja, ein Kurzlieger in Semi-Tieflieger-Bauform ist wieder ein Kompromiß, aber ein verdammt guter!
Will heißen, daß dies noch kein Renngerät ist, aber schon ziemlich nahe dran. Gegenüber einer SMGT punktet sie sowohl beim geringerem Gewicht als auch beim Fahrverhalten als auch bei der Aerodynamik. Lediglich als Innenstadtfahrzeug hat man mit 1 m Augenhöhe hier einen Nachteil.

Der Sitz- und Fahrkomfort ist naturgemäß geringer, das aber hauptsächlich wegen der fehlenden Vorderradfederung, die man nicht unbedingt braucht

Vom echten Tieflieger ist das Hurri nicht mehr weit weg: 10 cm mehr Sitzhöhe, aber nur 25 Grad Lehnenneigung, das ergibt wenige Zentimeter mehr in der Augenhöhe, allerdings liegt man sehr langgestreckt, wobei man sich bergauf nicht mehr so gut in den Sitz stemmen kann.
Die Vorteile der Liegeradposition schließlich sind hier noch konsequenter umgesetzt als bei "Hochliegern" vom Schlage einer SMGT.

Fazit

ich denke, ich habe hier meinen Liegerad-Idealtypus gefunden, da bei mir Alltagstauglichkeit wichtig ist, aber eine schnelle Runde auch.
Das Hurri ist sehr ästhetisch (subjektiv) und hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und ist letztlich ein Klassiker, begründete es doch die Klasse der "Semi-Tieflieger" mit.