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M5 Shock Proof 559

Nun gibt es doch tatsächlich weiterhin ein Aufrecht-Rad, daß ich sehr häufig nutze: mein MTB.
Warum? Das ist mein Bahnhof- und Winterfahrrad, ja und halt als MTB, um die Karwendelhatscher nicht gehen zu müssen.
20"-Laufräder auf losem Untergrund wie Schotter, Schnee, Sand sind halt nicht der Hit.

Dem mußte irgendwann abgeholfen werden:

M5 Shockproof mit 4 Taschen
Da kam mir doch die Anzeige eines Rahmenkits einer M5 Shock Proof 559 auf hpv.org sehr entgegen.
Schon länger habe ich den 26"-Liegermarkt aufmerksam beobachtet. Auf der Spezi und auch schon vorher eine Azub Max Hardcore probegefahren. Challenge Seiran ausprobiert, Zox 26" probegesessen. Ja, das M5 hat die Geometrie, die ich mir so vorstellte, also mußte der Bausatz her.
Nun bin ich so langsam mit dem Einsitzen und optimieren fertig...

Technik

Der Rahmenkit enthält alle notwendigen Spezialteile, Sitz und Sitzauflage. Bram Moems hat einen seiner üblichen Stummel-Tiller-Lenker mitgegeben. Für den angepeilten Einsatzzweck tausche ich ihn gegen einen Flux-UDK-Lenker (Um die Knie Lenker), danke Christian. Der paßt mit einem ganz normalen, langen MTB-Vorbei ausgezeichnet.
Einige Leute bemängeln die "etwas einfache" Hinterrad-Schwingenlagerung mit einer M8-Schraube. Ich sehe da kein Problem, die Drehbewegungen sind minimal, die Steifigkeit des Rahmens mit festgezogener Schraube ausgezeichnet.
Andere Hersteller tun halt noch eine Plastikbuchse dazwischen, die dürfte schneller ausleiern. Ich werd in 10 Jahren mal nachsehen, ob da  Verschleiß feststellbar ist.
Was da schon zweifelhafter scheint, ist die Tatsache, daß die Lehneneigung dadurch verstellt wird, daß die obere Lagerung des Federbeins der Hinterradschwinge in einem Langloch verschoben wird, dadurch verändert sich beim Flacher-Stellen die Sitz- und Lenkgeometrie: Nachlauf wird länger, Lenkwinkel flacher, Sitzhöhe niedriger, Tretlagerüberhöhung größer. Schon bald stelle ich fest, daß ich die Sitzgeometrie der Stinger möglichst 1:1 auf der M5SP wieder haben will, also Lehne so weit wie möglich runtergestellt. Tatsächlich verändern die genannten Geometriewerte das Fahrverhalten nicht merklich.
Allerdings hat Bram beim Gepäckträger etwas zu kurz gedacht: die unterere Rahmenbefestigung muß nun verlängert werden, sonst ist der Federweg der Hinterschwinge weg, da der Gepäckträger dann direkt auf dem Hinterrad aufsetzt.
Hierzu hat Bram zwei "Teleskopstangen" mitgegeben, bei denen aber die Befestigungsöse vorher abgeschnitten werden muß, höher stellen ist dann so ohne weiteres nicht mehr.
Gepäckträgerverlängerung

Da mir so was gar nicht gefällt, hab ich mir was anderes (leichteres) ausgedacht:
- ein zweites Befestigungsloch in die Trägerenden gebohrt und zwei Alu-Gabeln gesägt. Nun ist das ganze sogar in Grenzen verstellbar
Gepäckträgerdetails
Zusätzlich nutzte ich die Gelegenheit, gleich noch einen handelsüblichen Low-Rider dran festzumachen.
Dazu waren nötig: 1 Schraube M5*160, 1 Schraube M8*160, die die Schraube der Schwingenlagerung ersetzt, ein paar Alu-Röhrchen und -Rundmaterialien.
Die Schwingenlagerschraube hält den Low-Rider vorn, die andere Schraube dient als Abstandshalter, da wo der Low-Rider sonst an den Befestigungsaugen am Ausfallende festgemacht wird. Und dann noch zwei Trägerstangen zur Gepäckträgerverlängerung.
von vorn Die M5 Shockproof von vorn:
man sieht sehr gut, daß man so eingestellt sehr langgestreckt auf dem Fahrrad liegt, Tretlagerüberhöhung ordentlich,  die Luftwiderstandsfläche dürfte relativ klein sein (mit Ausnahme der großen Laufräder).
Ebenso verschwinden die großen Hintertaschen ziemlich hinter dem Fahrer.
Lediglich die Low-Rider-Taschen hängen voll im Wind, aber man braucht sie ja nicht immer


Die Modifikationen gehören nach meinem Empfinden noch zur üblichen Optimierung eines Rades für meine Zwecke. Ich hab an der Shockproof nicht groß was auszusetzen, ausgenommen die "Verlängerung" des Heckgepäckträgers.
Ein paar Maße:
Radstand: 123 cm, damit ist die SP sehr lang. Vor allem die lange Hinterradschwinge ist der Grund dafür.
Sitzhöhe (belastet): 53 cm,
Tretlagerhöhe: 77 cm,
also eine ordentliche Tretlagerüberhöhung von 24 cm,
Lehnenneigung 25 Grad,
Länge über alles über 2m, 18,5 kg Gewicht, viel, aber nicht zuviel.

Gerade die geringe Sitzhöhe erweist sich als sehr sinnvoll.

Die ersten Ausfahrten

Neben einigen kleineren Runden rings um Weilheim herum, mußte ich natürlich auch in die Berge mit dem Ding. Das Hinterautal bis zum Birkkarbach wurde gefahren.
Hier trat ich mit ungünstigsten Bedingungen an, da der Gepäckträger noch nicht verlängert war, hatte ich das Federbein quasi festgesetzt, also völlig ungefedert.
Tatsächlich ist das bei der Abfahrt nicht so toll, heben einem die Schläge dann schon aus dem Liegesitz. Aber alles in allem ging das ganz ordentlich. Einmal blieb ich rettungslos hängen, beim Versuch den losen Bachschotter des Birkkarbaches hochzufahren. Gut, Steinchen bis 10 cm, alles völlig lose, das war mehr um es mal versucht zu haben. Schieben war ohnehin schneller...
Die für einen 26"-er niedrige Sitzhöhe von 53 cm ist Gold wert.
Im Vergleich zu Stinger und Streetmachine fiel mir, soweit ich da als geübter Liegradfahrer nicht schon "versaut" bin auf, daß man überhaupt keine Umgewöhnungsschwierigkeiten hat. Mit den großen Rädern fährt sie sich wie ein Aufrechtrad, die Sitzposition paßt nach einigen Einstellaktionen wie angegossen und ist "saubequem". Ich ziehe diese Geometrie auch der Streetmachine vor.
Mit der MTB-Übersetzung (hinten 11-32, vorn 42-32-22) kann ich doch tatsächlich bis 45 km/h mittreten, oben raus reicht das. Aufwärts auf der Straße bin ich mal zum Spaß ne Weile mit 3 km/h rumgeeiert, geht auch gut. Härtester Einsatz mit viel Gepäck steht noch aus...

Allgemeines zu Liegerädern mit 26" Laufrädern

Stinger und Shockproof im Vergleich
Vergleich Stinger mit 2*20" und M5 Shockproof 559 mit 2*26". Die Stinger scheint klein und zierlich neben diesem Monster.
Hier sind zwei Prototypen unter den Kurzliegern sichtbar: tief und kleiner mit 2*20" für den Straßenbetrieb, gelegentliche Ausflüge ins "Off Road" nicht ausgeschlossen und die auch "Hochlieger", "HighRacer" und ähnlich betitelten 2*26", MTB ähnlichen Lieger.

Der Versuch, ein paar Vor- und Nachteile beider Typen aufzuzählen:
Thema
2*26" Kurzlieger
2*20" Kurzlieger
Gewicht
geringfügig höher
geringfügig weniger
Steifigkeit Rahmen und Räder
geringer
höher
Fahrten auf losem Untergrund
gut
schlecht
Aerodynamik
schlechter
gut bis sehr gut
Übersicht / Sitzhöhe / Augenhöhe
Augenhöhe gut, Sitzhöhe manchmal zu hoch
weniger Übersicht im Stadtverkehr, geringe Augenhöhe, niedrige Sitzhöhe sowohl beim Stehenbleiben als auch bei Sturz von Vorteil
Standardbauteile
MTB-Standard, riesen-Auswahl
besondere Übersetzung notwendig, große Kettenblätter, Teile für 20"-Laufräder nicht überall erhältlich
Fahrverhalten
sehr Aufrecht-Rad ähnlich
manchmal gewöhnungsbedürftig, danach jedoch gut

Für den Straßenbetrieb würde ich jederzeit weiterhin Lieger mit 20" - Rädern vorziehen...

Fazit

Ein Mountain-Bike ist sie noch nicht, die M5-SP559, aber ich kann sie als solches nutzen. Schwächen hat sie, da wären die geringe Fußfreiheit wegen dem großen Vorderrad zu nennen, schnell kommt man bei langsamen Bergauffahren mit der Ferse ans Vorderrad, aber man lernt damit umzugehen.
Auch gibt es keine Vorderradfederung (mehr?) für die SP559, wie ich per email von Bram erfuhr. Nun, ist auch nicht unbedingt notwendig...
Ebenso wäre eine Untenlenkung für größere Lenkeinschläge besser, im Straßenbetrieb ist das aber alles kaum ein Thema.
Falls jemand das reinrassige Liege-MTB sucht, sollte er doch besser die Azub Max Hardcore wählen, da sind diese Schwachpunkte nicht vorhanden.
Dafür ist die Azub sehr, sehr hoch, Sitzhöhe deutlich über 60 cm, auch das ist für Geländebetrieb nicht so gut.
Mit den 4-Taschenträgern wird die Shockproof auch meine Streetmachine im Straßenbetrieb beerben können, die Sitzgeometrie paßt mir besser, die Sitzhöhe ist angenehm niedrig und eine zusätzliche 1,5" Straßenbereifung sorgt für den Rest.