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Optima Stinger Ex

Nachdem mein Sohn die Hurricane freudig
mitgenommen hatte, und ich mit dem Semi-Tieflieger-Bazillus
zurückblieb, legte ich mich wieder auf die Lauer, und siehe da, es
lief mir schon bald eine Optima Stinger über den Weg. Für
einen guten Preis mußte sie her, daß sie mir taugen
würde, war eigentlich klar, hatte ich ja die Erfahrung mit der
Hurricane und von allen Daten her ist die Stinger fast ein Zwilling der
Hurricane.
Ebenfalls 2 20" Laufräder, welche in der Praxis
eigentlich nur Vorteile haben (kleiner, leichter, robust, ausreichende
Fahrstabilität), ebenfalls Tiller-Lenker oben, sehr bequem.
Ein Nachteil bleibt bei den 20"-Rädern: bei lockerem Kies
versinken sie einfach.
Bei engen Kurven (Vorderrad sehr schräg gestellt), kommt sich die
Ferse mit dem Vorderrad beim Kurbeln ins Gehege, das ist
Tieflieger-typisch, stellt aber kein Problem dar, da man in engen
Kurven anderes zu tun hat, als unbedingt zu beschleunigen
Allerdings ist im Gegensatz zur Streetmachine eine längere
Eingewöhnung erforderlich und Umsteiger vom Aufrechtrad kriegen
erst mal kurzzeitig die Krise. Ich will da aber niemanden abschrecken,
nach einer Woche hat sich das auch....
Technik
Zunächst einmal kam die Stinger mit einer Art Rennausstattung:
keine Schutzbleche, wieder die Vredestein Hochdruck-Slicks, und hinten
ein 9fach 12-24 Kranz.
Da ich nun eher der Alltagsfahrer bin, mußte Abhilfe her. Die
Vredestein, mit denen man sich eh nur Pannen holt gegen super-robuste
Schwalbe Marathon 20"*1,75" ersetzt, das bißchen mehr an
Rollwiderstand wird mehr als wettgemacht durch das absolut
gutmütige Fahrverhalten dieser "Schlappen". Allerdings will dann
das Schutzblech vorn mit den 1,75ern gar nimmer unter die Gabel passen,
mußte ich also an der Gabel abschneiden, reicht dann aber immer
noch als Schutzblech. Die Abstufung des hinteren Zahnkranzes kann man
vielleicht bei Rennen in der Ebene brauchen, aber nicht im
Voralpenland, also ein 11-32 9fach dran und gut wars.
Als nächstes merkte ich, dass man die Sitzhalterung vorne auch 5
cm niedriger bauen kann, wenn man den Sitz nicht ganz nach oben
verstellen will, gesagt, getan, jetzt hat sie 35 cm Sitzhöhe, 20
Grad Lehnenneigung und ca. 95 cm Augenhöhe, das geht noch auch im
Stadtverkehr.
Der Seitenständer hält bombig und ist absolut umfallsicher.
Die Ex-Variante ist mit vorn mit 42-52-62 Tiagra-Kettenblättern
ausgestattet. Zusammen mit 9fach hinten ist die Entfaltung dann voll
ausreichend. Bei dem 1,75er Hinterradmantel kann ich mit 100 U/min bis
ca. 50 km/h sinnvoll mittreten. Für vorne habe ich dann noch ein
39er Kettenblatt gekauft, dann gehen am Berg auch 14-15%
Steigung.
Der Kettentrieb und vor allem die Umlenkrolle am Leertrum vorne ist
schön leise und ohne Probleme.
Die Stinger ist mit Magura-Luise Scheibenbremsen ausgestattet. Erst
habe ich über die Dinger ganz schön geflucht, schleifen sie
doch praktisch immer hörbar ein bißchen.
Allerdings ist die Bremswirkung über jeden Zweifel erhaben, auch
bei langen Paßabfahrten erhitzt sich nur die Scheibe, nicht die
Nabe und die Felge wird weder durch Alu-Abrieb schmutzig noch
verschlissen. OK, dann leb ich halt mit dem dämlichen
Schleifgeräusch.
Der Gepäckträger hinten ist doch etwas sparsam und vor allem
schmal, aber zusammen mit Tiefliegertaschen bringt man mehr als genug
unter.
Wie bei der Hurricane wieder ein Stück Kettenschutzrohr am
Zugtrumm über der Hinterradschwinge wegen den Taschen ergänzt.
Ein bißchen nobler ausgestattet als das Hurricane ist sie also,
die Stinger, allerdings ist sie auch etwas übergewichtig, so ca.
18 kg mit Vollausstattung.
Fahrwerk, Stabilität und Fahrverhalten sind dann wieder über
jeden Zweifel erhaben, das hintere Federbein ist etwas hart, vorne ist
die Kiste ungefedert.
Ich hab dann noch ein Vorderrad mit SON-20 installiert, danach will man
das Licht gar nimmer ausschalten, weil man eh nicht merkt, daß
der Dynamo an ist.
Prinzipielle Beurteilung der Bauform Semitieflieger
Ja, ein Kurzlieger in Semi-Tieflieger-Bauform ist wieder ein
Kompromiß, aber ein verdammt guter!
Will heißen, daß dies noch kein Renngerät ist, aber
schon ziemlich nahe dran. Gegenüber einer SMGT punktet sie sowohl
beim geringerem Gewicht als auch beim Fahrverhalten als auch bei der
Aerodynamik. Lediglich als Innenstadtfahrzeug hat man mit 1 m
Augenhöhe hier einen Nachteil.
Der Sitz- und Fahrkomfort ist naturgemäß geringer, das aber
hauptsächlich wegen der fehlenden Vorderradfederung, die man nicht
unbedingt braucht
Vom echten Tieflieger ist die "tiefergelegte" Stinger nicht mehr weit
weg: 35 cm
Sitzhöhe, 20 Grad Lehnenneigung, das ergibt wenige
Zentimeter mehr in der Augenhöhe, allerdings liegt man sehr
langgestreckt, was sich nach einiger Übung aber bewährt hat.
Die Vorteile der Liegeradposition schließlich sind hier noch
konsequenter umgesetzt als bei "Hochliegern" vom Schlage einer SMGT.
ich denke, ich habe hier meinen Liegerad-Idealtypus gefunden, da bei
mir Alltagstauglichkeit wichtig ist, aber eine schnelle Runde auch.
Fazit
Die Stinger ist sehr ästhetisch (subjektiv) , aber leider schon
wieder a bisserl schwer. Die langgestreckte Liegeposition ist auch am
Berg nicht von Nachteil (siehe auch hier)
und überhaupt gibt es an ihr sehr wenig auszusetzen. Die HP
Velotechnik-Speedmachine, die eine Alternative wäre, ist noch
schwerer, baut
größer, ist teurer und die Stinger gefällt mir
besser.
So wird sie mir erst mal bleiben. Ich stelle fest, daß
ich seitdem deutlich mehr Kilometer auf der Stinger zurückl(i)ege,
als auf der Streetmachine....